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Die Agglomeration als Spielfeld und Zukunft der Schweiz

Immobilien
Claudio Biesele

Die bauliche Innenentwicklung in den historischen Kernstädten der Schweiz stösst zunehmend an ihre Grenzen: Viele Zentren sind bereits dicht bebaut und aus denkmalpflegerischer Sicht kaum mehr veränderbar. Das eigentliche Transformationspotenzial liegt deshalb in den Agglomerationen – jenen seit den 1950er-Jahren autogeprägten Räumen mit Verkehrsachsen, Gewerbehallen, Einkaufszentren und Einfamilienhausgebieten, die heute rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung beherbergen.

Statt auf radikalen Ersatzneubau zu setzen, gewinnt ein sensibles „Weiterbauen im Bestand" an Bedeutung: Aufstockungen, Anbauten oder funktionale Umnutzungen können zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne die ansässige Bevölkerung zu verdrängen – und sparen gleichzeitig graue Energie.

Gelungene Agglomerationsentwicklung folgt oft einem ähnlichen Muster: Mehrere Gemeinden erarbeiten gemeinsam eine langfristige Vision, halten einen kontinuierlichen Dialog aufrecht und klären, welche Fragen überkommunal und welche rein lokal zu lösen sind. Häufig braucht es zusätzlich einen konkreten Leidensdruck – etwa Verkehrskollaps oder Luftverschmutzung –, damit sich Gemeinden überhaupt zusammenraufen. Der Ausbau von Tram-, Bus- und Bahnverbindungen zeigt dabei oft rasch Wirkung und verschiebt den Modal Split zugunsten des öffentlichen Verkehrs.

Zentral ist zudem das Prinzip der polyzentrischen Verdichtung: Werden Nutzungen um Bahnhöfe und S-Bahn-Stationen gebündelt, bleiben Quartierläden, Cafés und soziale Treffpunkte im Erdgeschoss wirtschaftlich tragfähig – vorausgesetzt, genügend Menschen leben in unmittelbarer Nähe. Hohe Gebäude verlieren ihren Schrecken, wenn der Sockel lebendig gestaltet ist, etwa durch grosszügige Eingangsbereiche und Gemeinschaftsräume statt reiner Wohnnutzung im Erdgeschoss.

Wohnpolitisch setzen manche Kantone auf Instrumente wie Preiskontrollen oder Drittelregelungen zwischen freitragenden, preiskontrollierten und subventionierten Wohnungen, um soziale Durchmischung zu sichern – ein Ansatz, der je nach politischer Kultur unterschiedlich stark verankert ist.

Zur Debatte um neue Einzonungen auf der grünen Wiese mahnt die Raumplanung zur Zurückhaltung: Das 2013 verankerte Verdichtungsgebot des Raumplanungsgesetzes dürfe nicht vorschnell aufgeweicht werden. Das Potenzial im Bestand sei riesig – und mit ihm die Chance auf lebenswertere, grünere Agglomerationen bis 2050.

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